Stolpersteine reinigen (2019)

Die bewegende Geschichte der jüdischen Gemeinde Marburgs reicht zurück bis ins Mittelalter. Das dunkelste Kapitel dieser langen Historie spielte sich zweifelsohne zur NS-Zeit des vergangenen Jahrhunderts ab, als jene jüdischen Mitbürger, die nicht bereits ausgewandert oder in andere Städte geflüchtet waren, in Vernichtungslager deportiert, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Um die Erinnerung an diese grausamen Schicksale lebendig zu halten, luden die Sorores des Clubs Marburg am 05. Mai erneut dazu ein, gemeinsam Stolpersteine zu polieren.

Über 20 Interessierte folgten diesmal dem Aufruf und versammelten sich zunächst vor der Synagoge in der Liebigstraße. Neben Clubschwestern fanden sich viele Mädchen und einige Jungen des nahegelegenen, städtischen Kinder-und-Jugend-Parlaments mitsamt Geschwistern, Freunden und Eltern ein, um sich einmal mehr der Stolpersteine des Südviertels anzunehmen und diese vom Schmutz des Winters und Alltags zu befreien.

Angeführt durch Barbara Wagner von der Geschichtswerkstatt Marburg führte der Weg von der Liebigstraße über die Haspelstraße in die Wilhelmstraße jeweils zu den Stolpersteinen, die vor den zuletzt bewohnten Häusern der NS-Opfer liegen. Weitere Stopps folgten in der Universitätsstraße, Frankfurter Straße und schließlich in der Schückingstraße. So wurde insgesamt sechs verschiedener Familien gedacht, wobei Frau Wagner äußerst fachkundig über die Einzelschicksale aller Opfer referierte. Diese interessanten und zugleich erschreckenden Hintergrundinformationen zu den jüdischen Bürgern machten die Beschäftigung mit der Vergangenheit an diesem Nachmittag noch lebendiger und eindrücklicher.

Jeder Stein wurde gründlich gereinigt, mit einer Blume geschmückt und durch eine Kerze beleuchtet. Selbst die Kleinsten zeigten sich hier äußerst motiviert und packten gern mit an.

Der neue Glanz der frisch polierten Steine wird hoffentlich auch zukünftig dazu beitragen, dass Marburgs Bewohner und Besucher ins Stolpern kommen, damit die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen niemals in Vergessenheit geraten.

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Stolpersteine verlegen (2018)

Am 18. Oktober 2018 traf sich eine recht große Gruppe, um zusammen mit Gunter Demnig, dem Gestalter und Initiator der deutschlandweiten Stolpersteininitiative, weitere Steine der Erinnerung in Marburg zu verlegen. Diese „Stolpersteine“ sollen an die in der NS-Zeit in Marburg lebenden und später verschleppten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern und werden vor deren ehemaligen Wohnhäusern verlegt.

Als Service Club für Frauen wählten wir unseren Stolperstein zur Erinnerung an Sophie Johanna Henriette Franck aus, die in der Gisselberger Straße 17 lebte. Sie wurde im hohen Alter von 86 Jahren als sogenannte „Rassejüdin“ in das KZ Theresienstadt verschleppt.

Wie wichtig die Verlegung dieser Steine auch für die jüdische Gemeinde in Marburg ist, zeigte die Teilnahme ihres Vorsitzenden Amnon Orbach und seiner Frau. Trotz seines hohen Alters begleitete er die Gruppe an diesem Tag.

Wir wünschen uns, dass die Menschen, die über diesen Stein „stolpern“, einen Moment lang innehalten, damit auch Henriette Franck nicht vergessen wird.

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Stolpersteine reinigen (2018)

Stolpersteine sind zum Stolpern da. Niemand stolpert allerdings über Steine, die gar nicht sichtbar sind. Deshalb und weil sich judenfeindliche Vorfälle erschreckenderweise wieder zu häufen beginnen, tat sich der Marburger SI Club zusammen mit der Marburger Geschichtswerkstatt, dem KiJuPa Marburg sowie einer Mädchengruppe, die sich vorher bereits mit dem Thema beschäftigt hatte, um einige Steine in der Marburger Innenstadt nach dem Winter zu reinigen. Treffpunkt am 15. April 2018 war die Marburger Synagoge und so zogen bei schönstem Wetter etwa 20 Sorores, Mädchen und Eltern von Stein zu Stein, lasen die Geschichten der Deportierten vor, reinigten die Steine und legten Blumen und Kerzen nieder. Bei aller Nachdenklichkeit stimmte es die Beteiligten umso zufriedener, als sie beobachten konnten, dass die Passanten tatsächlich wieder an den Steinen stehen blieben und innehielten.

Die Veranstaltung inspirierte die Sorores des Weiteren dazu, selbst eine Patenschaft für einen neuen Stolperstein zu übernehmen, der im Oktober verlegt wird.

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